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Trinkwasserhygiene, Teil 3/11: Leitbakterien zur Beurteilung der Trinkwassergüte

Um eine hohe Trinkwasserqualität auch bis zur letzten Zapfstelle sicherzustellen, werden heute neben neuen Installationskonzepten auch präventive Maßnahmen oder Prüfungen während der Nutzung eingesetzt. Dazu gehört u. a. die Prüfung auf Bakterien.

23.07.2018

Gerade Bakterien und Keime im Trinkwasser können zu gesundheitlichen Problemen führen. Ab einer Größe von 400 l muss die Trinkwasseranlage daher auch in bestimmten Abständen kontrolliert werden. Zu den wichtigsten Leitbakterien zählen: 

Legionellen

Als wichtigster durch Trinkwasser übertragener Erreger gilt das Bakterium Pseudomona aeruginosa.

Dieses Bakterium findet bei Temperaturen zwischen 25 und 30 °C optimale Wachstumsbedingungen vor. Bei einer Wasseranalyse darf in 100 ml Wasser keiner dieser Erreger vorkommen. Das Robert-Koch-Institut hat bereits geringste Mengen dieses Erregers als „gesundheitlich bedenklich“ eingestuft.

Hat erst einmal eine Infektion mit diesem Erreger stattgefunden, lässt sie sich nur sehr schwer therapieren und kann beim Menschen zu schweren Organerkrankungen, teilweise sogar mit Todesfolge, führen. Ist eine Trinkwasseranlage von diesem Erreger befallen, ist in der Regel die sofortige Sperrung des Gebäudes und eine Totalsanierung der gesamten Trinkwasserinstallation unumgänglich.

Kolibakterium (E.coli) 

Dieses Bakterium kommt im menschlichen und tierischen Darm vor; ins Trinkwasser gehört es nicht. Allerdings gibt es immer wieder Berichte über Kontamination. Gerade in ländlichen Gebieten mit hoher landwirtschaftlicher Nutzung kann es zu einem Eintrag ins Grundwasser kommen. Das Bakterium verursacht u. a. Magen-Darm-Komplikationen, Blinddarm- und Bauchfellentzündungen. Ganz ähnlich wirkt ein weiterer Fäkalkeim, die Enterokokken - sie haben zudem eine besonders lange Lebensdauer.

Pseudomonaden

Dieses Bakterium ist ein Kaltwasserkeim. Besonders schlecht oder selten durchströmte Leitungsabschnitte können befallen sein. Diese treten bei fehlerhaft geplanten oder älteren Leitungssystemen auf (Stagnation). Gefahren: Lungenentzündungen oder Harnwegsinfekte.

Biofilm

Biofilme sind kein Bakterium oder Einzelkeim, sondern eine Schicht, die anderen Organismen Nahrung bietet. Daher gibt es auch keinen Grenzwert für Biofilme, sondern nur für bestimmte Keime. Sie bilden sich in kürzester Zeit in jeder Rohrleitung. Sie sind nicht in jedem Fall gesundheitsschädlich. Im Gegenteil, sie schützen zum Teil das Rohrinnere und helfen sogar dabei, das Wasser sauber zu halten. Die Bildung und Zusammensetzung des Biofilms hängt auch vom pH-Wert und der Wassertemperatur ab. Allerdings begünstigen sie auch die Einnistung gesundheitsgefährdender Bakterien wie Legionellen (s.o.).

Legionellen unter dem Mikroskop, stark vergrößert und grün gefärbt