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Trinkwasserhygiene: Vorbeugen ist besser!

Legionellen, Pseudomonaden und andere Krankheitserreger haben im Trinkwasser nichts zu suchen. Allerdings lassen sich auch mit thermischer Desinfektion nicht immer restlos beseitigen. Eine sorgfältige, vorbeugende Planung ist ein elementarer Baustein zur Vorbeugung.

13.01.2017

Das bestätigt auch eine aktuelle Studie von drei Universitäten, dem DVGW und dem Institut für Wasserwirtschaft. 

Routinemäßige Wasserproben aus Trinkwasser-Anlagen zeigen mit Blick auf einen Legionellenbefall oftmals widersprüchliche Ergebnisse. Auch wiederholte thermische Sanierungen einer Anlage führen oft nicht zu dem gewünschten Ergebnis – mit der Folge, dass weiterhin stark schwankende Konzentrationen von Legionellen gemessen werden. Dieses in der Praxis häufig beobachtete Phänomen steht in Zusammenhang mit der Biofilmbildung auf den Innenflächen von Trinkwasser-Installationen, wie Wissenschaftler im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes zeigten.

Die Forscher konnten nachweisen, dass sich potenziell gesundheitsschädliche Wasserkeime wie Legionellen und Pseudomonaden in an sich unschädlichen Biofilmen in Trinkwasser-Installationen einnisten und vermehren können. Dabei sind sie durch den Biofilm besser geschützt als im Wasser selbst. Besonders gefährlich: Durch eine Desinfektion können Bakterien sich in eine Art Ruhephase zurückziehen und so schützen - messtechnisch sind sie in diesem Zustand nicht nachweisbar. Nach geraumer Zeit beginnt jedoch ein erneutes Wachstum. Verbraucher erhöhten Risiko für mitunter schwer verlaufende Infektionen ausgesetzt, da infektiöse Keime jederzeit aus dem Biofilm ins Wasser gelangen können.

Potenzielle Nährstoffquelle

Nach Erkenntnissen aus dem Verbundprojekt ist deutlich geworden, dass Grenzflächen wie die Innenflächen von Trinkwasser-Installationen praktisch immer von wasserlebenden Mikroorganismen besiedelt werden: Bei Verwendung fabrikneuer Werkstoffe dauert es lediglich ein bis zwei Wochen, bis Biofilme ausgebildet werden und sechs bis zehn Wochen, bis diese ihre maximale Dichte erreicht haben. Dabei hat sich gezeigt, dass die Auswahl der Werkstoffe, die Wasserbeschaffenheit und die Wassertemperatur das Ausmaß der Biofilmbildung wesentlich mitbestimmen.

Wie die Wissenschaftler zudem berichteten, ist die Entfernung von Biofilm aus einer Trinkwasser-Installation ausgesprochen schwierig. Ein zentraler Schwerpunkt in der Prävention von Infektionen durch Wasserkeime ist daher die Vermeidung bzw. starke Begrenzung einer Biofilmbildung. Möglichkeiten hierzu bieten sich insbesondere durch eine strikte Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) und den Vorgaben aus der VDI-Richtline 6023 bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb von Trinkwasser-Installationen.

In großen Gebäuden mit komplexen Trinkwasser-Installationen ist die Biofilmproblematik im Vergleich zu kleineren Anlagen insgesamt verschärft. Generell wirken sich neben zu kaltem Warmwasser und zu warmem Kaltwasser das Vorhandensein von Stagnationsbereichen (z. B. Totsträngen) und eine unzureichende Isolation von Kalt- und Warmwassersträngen aus, da diese zu einer Erwärmung des Kaltwassers führen kann. Die Bildung von Stagnationsbereichen und die Erwärmung des Kaltwassers können die Vermehrungsbedingungen z. B. für Legionellen und Pseudomonaden deutlich optimieren und sind durch geeignete bau- und betriebstechnische Maßnahmen zu vermeiden. 

Erhebliche Gesundheitsgefahr durch Legionellen

Zu Infektionen mit Legionellen kann es nach dem Einatmen von fein vernebelten Wassertropfen kommen, wie sie etwa beim Duschen entstehen. Je nach Gesundheitszustand und Immunstatus der Verbraucher kann ein Kontakt folgenlos bleiben – oder zu einer schweren Erkrankung führen.

Mögliche Erkrankungsformen nach einer Legionelleninfektion sind das sogenannte Pontiac-Fieber sowie Lungenentzündungen, die in 10 bis 15 % der Fälle tödlich verlaufen. Da häufige Zeichen einer Legionellen-Infektion – Fieber, trockener Husten und Brustschmerzen – ähnlich auch bei anderen Infektionskrankheiten auftreten, wird der Löwenanteil der Ansteckungen in Arztpraxen nicht erkannt, vermuten Mediziner. Die Häufigkeit von Legionellen-Infektionen in Deutschland wird auf bis zu 50.000 Fälle jedes Jahr geschätzt.

Biofilme können neben Legionellen ein breites Spektrum an weiteren Keimen beherbergen, die ebenfalls schwere und schwerste Infektionen auslösen können. Zu den wichtigsten Vertretern zählt Pseudomonas aeruginosa, ein Bakterium, das weit verbreitet vorkommt und speziell in Krankenhäusern als häufiger Auslöser schwerer Infektionen gefürchtet ist.

Kontamination vorbeugen

Bei Kontaminationen mit Legionellen kann das zuständige Gesundheitsamt für eine Trinkwasserinstallation oder Teile davon Nutzungseinschränkungen anordnen, die unter anderem auch ein Duschverbot beinhalten. Eine Kontamination mit Pseudomonaden bedingt in der Regel sogar die sofortige Stilllegung der gesamten Trinkwasseranlage. Diese Maßnahmen sind mit erheblichen Einschränkungen für die Nutzer verbunden; für den Gebäudeeigentümer können sie darüber hinaus mit zum Teil gravierenden wirtschaftlichen Konsequenzen einhergehen.

Für Bauherren, Planer und Gebäudenutzer ist es daher entscheidend, bereits im Vorfeld Maßnahmen zu berücksichtigen, die gesundheitliche Beeinträchtigungen vermeiden helfen. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehört zum einen die Auswahl des geeigneten Werkstoffs.

Rohrleitungssysteme von SANHA erfüllen die hohen Ansprüche an den verwendeten Werkstoff in vollem Umfang. Je nach Anwendungsfall und Trinkwasserbeschaffenheit stehen bei SANHA Systeme aus verschiedenen Edelstahlsorten, Kupfer, bleifreien siliziumhaltigen Kupferlegierungen und Kunststoff zur Verfügung, die stets eine bedarfsgerechte Lösung ermöglichen.

Richtige Installation vermeidet Bakterienwachstum

Neben dem verwendeten Material spielt auch die Installationstechnik eine sehr bedeutende Rolle. Die nachstehenden Ausführungen sollen dem Planer, dem Verarbeiter und dem Betreiber einen allgemeinen Überblick über die für Trinkwasserinstallationen relevanten Leitbakterien, hygienegerechte Installationsmethoden und die fachgerechte Inbetriebnahme vermitteln. Neben der richtigen Auswahl hygienegerechter Werkstoffe und Anlagenkomponenten ist natürlich eine auf die Hygiene abgestimmte Anlagenplanung eine Grundvoraussetzung für die Qualität, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit einer Trinkwasserinstallation

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Reduzierung von Stagnationszeiten. Aufgrund der üblichen Nutzung lassen sich Stagnationszeiten in Trinkwasserinstallationen niemals ganz vermeiden, bei korrekter Dimensionierung und Anordnung der Rohrleitungen und Objektanschlüsse jedoch minimieren. Hierzu ist es wichtig, das Leitungssystem bedarfsgerecht zu dimensionieren, damit bereits im normalen Betrieb ein ausreichender Wechsel des im System befindlichen Wassers stattfinden kann. Voraussetzung hierfür ist eine exakte Rohrnetzberechnung unter Berücksichtigung der tatsächlichen Einzelwiderstände und einem vorgegebenen, dem Nutzerverhalten angepassten Gleichzeitigkeitsfaktor.

Schleifen- und Ringleitung optimal

Eine „T-Installation“ sollte dabei möglichst vermieden werden; stattdessen sollten die Entnahmestellen möglichst in „Schleifenform“ angeschlossen werden. Regelmäßig genutzte Entnahmestellen sollten dann am Ende dieser Schleifeninstallation angeordnet werden, oder die gesamte Stockwerksleitung sollte als „Ringleitung“ ausgeführt werden. Durch die Kombination der SANHA-Rohrleitungssysteme mit Absperr-, Regel- und Spülventilen wird stets eine komplette Lösung gewährleistet.

Diese Installationsmethoden gewährleisten durch eine flexible und verbindungsarme Rohrverlegung eine hervorragende Wasserverteilung in den Stockwerksleitungen, bei gleichzeitig größtmöglicher Minimierung der Stagnationszeiten. Bei der „Schleifen- /Ringleitungsinstallation“ erfolgt dabei die Leitungsverlegung in einer gleichbleibenden Rohrdimension. Auch eine thermische Desinfektion, bei der eine Mindesttemperatur von 70 °C an allen Entnahmestellen vorgeschrieben wird, ist mit diesen Installationsmethoden weitaus einfacher möglich. Selbst bei Anlagen (z. B. in Krankenhäusern), in denen eine zusätzliche Desinfektion der Trinkwasserleitung vorgeschrieben wird, kann durch die Schleifen- oder Schleifen- /Ringleitungsinstallation mit wesentlich geringerem Aufwand sichergestellt werden, dass das Desinfektionsmittel jede Entnahmestelle erreicht und auch die anschließend durchzuführende Spülung bedingt bei diesen Installationsmethoden einen geringeren Aufwand.

Legionellenkeime grün gerendert